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Stockholm [SE] - Stockholm plant Museums-Obuslinie

J. Lehmann - 13.04.09


Der schwedische Verein für Nahverkehrsfreunde, ”Svenska Spårvägssällskapet” (SSS), mit rund 2.000 Mitgliedern, betreibt Museumsstrassenbahnlinien in Malmköping (seit den 60er Jahren) und in Stockholm (die ”Djurgårdslinjen” seit 1991).
Nach Stilllegung des Trolleybusbetriebs 1964 kaufte SSS von der Stockholmer Strassenbahn AG zwei gut erhaltene, kurz zuvor überholte Trolleybusse der Bauart Scania-Vabis/Hägglund&Söner/Asea, Baujahr 1949. Einer von diesen wurde im Museum Malmköping aufgestellt, der andere, nach einer einfachen Konservierung, in einer großen Scheune in der Nähe eingestellt. Dieser letztgenannte Trolleybus, mit Wagennummer 4038, wurde im Frühjahr 2008 auf Tieflader wieder nach Stockholm gebracht und wird aktuell wieder in einen fahrfähigen Zustand versetzt.
Die Stockholmer Museumsstraßenbahn wird nach aktuellen politischen Beschlüssen in wenigen Jahren in ein neues, modernes Niederflur-Straßenbahnnetz integriert. Damit wird der bislang regelmäßige Einsatz der verschiedenen Oldtimertrams auf dieser Strecke nur noch eingeschränkt möglich sein, zumal auch das derzeitige Einsatzdepot der Museumswagen mindestens vorübergehend zur Abstellung neuer Straßenbahnen dienen soll. Ein Teil der Museumstrams würde damit außerhalb des Netzes abgestellt.
Um weiterhin ein verkehrshistorisch attraktives Angebot darstellen zu können, beabsichtigt der Museumsverein in Zusammenarbeit mit der Stadt Stockholm den Aufbau einer Museums-Obuslinie. Sie soll die etwa 2km lange Strecke Skansen – Karlaplan befahren. eine doppelspurige Fahrleitung ist geplant, auf dem Abschnitt Skansen – Djurgårdsbron parallel zur Straßenbahnstrecke mit gemeinsamer Aufhängung an Masten. Auf der Tiergarteninsel (Djurgården) gibt es zahlreiche touristische Attraktionen, am anderen Ende in Karlaplan bestehen gute Umsteigemöglichkeiten zur U-Bahn.
Im Vorgriff auf diese geplante Anlage konnte vom eingestellten Obusbetrieb in Basel umfangreiches Fahrleitungsmaterial übernommen werden. Der Obus 4038 wird aufgearbeitet, bis es zu einem Fahrgastbetrieb kommen kann, werden aber noch umfangreiche Anpassungen nötig sein: Immerhin ist der Wagen für den in Schweden bis 1967 üblichen Linksverkehr eingerichtet!
Die geplante neue Obusstrecke wird gegenwärtig mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung diskutiert und sollte eine in jeder Hinsicht bemerkenswerte Ergänzung des touristischen Angebots der Stadt darstellen. Allerdings ist auch vorgesehen, aktuelle Trolleybusmodelle verschiedener Fabrikate auf dieser Linie zumindest probeweise einzusetzen, um auf diese Weise das als vermeintlich altmodisch eingestufte Verkehrsmittel Obus in moderner Form vorführen zu können. Und dies ganz in der Tradition der Djurgårdslijnen-Tram, auf der in den vergangenen Jahren moderne Niederflurbahnen verschiedener Hersteller zum Einsatz gekommen waren, was sicherlich nicht in letzter Instanz zu einer Neubewertung des Verkehrsmittels Tram und zur Wiedereinführung der Bahn in moderner Form beigetragen hat.
Durch die Obusstrecke in Stockholm kann könnte ein ähnlich positiver Vorführeffekt für die Wiedereinführung von Trolleybuslinien im Land erreicht werden. Aktuell gibt es in Schweden einen modernen Obusbetrieb, eröffnet im September 2003 in Landskrona, 39 Jahre nach Einstellung des letzten alten schwedischen Betriebs.
Text: Dirk Budach

Fotos:
oben: Erste Fahrt vom Obus 4038 am 21.10.2008.
Mitte: In der Omnibuswerkstatt der Stockholmer Verkehrsbetriebe nach der Überführung, zu einer ersten Inspektion
unten: Ausfahrt mit eigener Kraft (Batterie) aus der Abstellhalle.
Aufnahmen: Thomas Johannson





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