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Luzern [CH] - Verlängerung der RBus-Linie 1 vom Kantonsrat beschlossen

J. Lehmann - 16.02.18


Am 29.01.2018 stimmte der Kantonsrat der Verlängerung der Trolleybuslinie 1 bis zum Einkaufszentrum Mall of Switzerland mit 84 zu 28 Stimmen zu. Den eindeutigen Beschluss trafen die Parlamentarier nach heftiger Debatte, für die Verlängerung der Trolleybuslinie 1 bewilligten sie einen Kredit in Höhe von 14,5 Millionen Franken, für den Bau des Bushubs in Ebikon einen weiteren Kredit von knapp 12 Millionen Franken. Beide Maßnahmen, bei denen der Kanton Luzern Träger ist, werden im Rahmen des Agglomerationsprogramms der 2. Generation vom Bund mit 35% der Kosten unterstützt. Damit können die VBL nun mit der Bauphase der doppelspurigen Fahrleitung auf rund 5 km Länge beginnen, die Verlängerung der Linie 1 und der neue Bushub in der Gemeinde Ebikon sollen im Dezember 2019 in Betrieb gehen.
Gegner des Beschlusses waren die SVP-Parlamentarier, die weiterhin als Ablehnungsgrund den Bau von Trolleybusfahrleitung als "veraltete Technologie der Elektrifizierung" aufführten.

Dabei konnte wenige Tage nach der Entscheidung des Kantonsrates bei der Vorstellung des Elektrobusses der Firma Solaris festgestellt werden, dass die Batterietechnik noch lange nicht so weit ist, den Trolleybus zu ersetzen. Auch gegenüber den 12m-Dieselbussen kann der Elektrobus in Preis und Leistung noch nicht konkurrieren. Zum Sammeln von Erfahrungen für die Zukunft nutzten die Verkehrsbetriebe von Luzern und Zug die Möglichkeit, ein Testfahrzeug des polnischen Herstellers Solaris Bus & Coach im Linienverkehr einzusetzen. Es handelt sich um einen 12 m langen Elektrobus des Typs „Urbino 12 electric“, der als „Bus of the year 2017“ ausgezeichnet wurde. Im Sommerhalbjahr ist dann ein baugleiches Nachfolgefahrzeug für einen weiteren, mehrwöchigen Testbetrieb vorgesehen.

Das erprobte Fahrzeug ist jedoch doppelt so teuer wie ein 12m langer Dieselbus aufgrund der maximalen Kapazität der Batterien. Diese machen beim Gesamtpreis des Fahrzeugs einen großen Teil aus, pro kWh Mehrstärke der Batterie kann von rund 1.000 Franken Mehrpreis ausgegangen werden. Das im Testwagen eingebaute Batteriepaket von 240 kWh Stärke ist jedoch so schwer, dass der Wagen nur 76 (statt 105 Fahrgäste beim üblichen 12m-Dieselbus) mitnehmen kann. Der Energieverbrauch des Elektrobusses wurde gemäß Testergebnissen mit 1,0 kWh je km ermittelt, somit ergäbe sich eine theoretische Reichweite von rund 240 km, jedoch bei Heizungsbetrieb im Winter bzw. im Hochsommer bei Betrieb der Klimaanlage werden zusätzlich 1,0 kWh/km benötigt, so dass die Reichweite nur 120 km beträgt. Ein Dieselbus bewältigt aber auf einem ganztägigen Kurs eine Leistung von rund 300 km.
Das Aufladen im Depot dauert zwischen 6 und 10 Stunden, so dass der Testwagen nur in den Verkehrsspitzen zum Linieneinsatz kommt, hier wird morgens und abends eine Laufleistung von bis zu 90 km erbracht. Erschwerend kommt zur geringen Reichweite hinzu, dass die Batterie ihre Speicherleistung verliert, nach den bisherigen Erfahrungen leistet die Batterie spätestens nach 5 Jahren nur noch 80%.
Somit wären mindestens zwei Wagen als Ersatz für einen 12m-Dieselbus erforderlich. Andernfalls kann eine Erhöhung der Reichweite durch Aufladen während des Einsatzes erfolgen, welches aber auch eine Erhöhung der Kosten durch die unproduktive Ladezeit und die Infrastruktur hierfür nach sich zieht. Damit ist nachvollziehbar, dass die Investition in neuer Fahrleitung noch Jahre lang die sinnvollere Elektromobilität bei Buslinien mit hoher Kapazität darstellt.


Fotos:
oben: Der Elektrobus Solaris Urbino 12 auf der Testfahrt beim Verkehrshaus, er erhielt für den Testbetrieb eine eigene Zulassung der Schweizer Behörden.
unten: Trolleybus 226 erhielt 2013 eine Ausrüstung für den Fahrschulbetrieb (auch Wagen 242 ist damit ausgestattet seit 2017), die bei Bedarf nachrüstbar ist. Entsprechend erhielt der Wagen nun die Beklebung mit Verkehrsschildern, wie sie zuletzt der Fahrschul-Solotrolleybus 252 trug. In Gegenrichtung passiert Wagen 232 im Einsatz auf Linie 8, die seit Ende 2017 komplett mit Doppelgelenkwagen bedient wird. Aufnahmen: Jürgen Lehmann, 1.2.2018


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