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Rostow-na-Donu [RU] - Nach 80 Jahren nun akut einstellbedroht

J. Lehmann - 06.03.17


In Juni letzten Jahres konnte der Betrieb auf sein 80-jähriges Bestehen zurückblicken. Nachdem die erste Trolleybuslinie am 18.06.1936 eine Straßenbahnlinie des seit dem 2.1.1902 bestehenden für Russland einzigartigen Normalspurnetzes ersetzt wurde, folgten ab 1957 stetige Erweiterungen des Trolleybusnetzes, so dass in 1996 zum sechzigsten Jahrestag des Trolleybusbetriebes das Netz eine stattliche Länge von 244 km mit 21 Linien umfaßte und von 120 Trolleybussen bedient wurde. In den folgenden 10 Jahren folgte ein drastischer Abbau des Netzes und es verblieben 2005 nur noch 78,7 km mit neun Trolleybuslinien. Eine dieser Linien, und zwar Linie 6 wurde von 2001 bis zum 3.06.2010 von der privaten Firma Rostov-Auto bedient. Nach Konkurs des Privatunternehmens übernahm die städtische Gesellschaft “RTK RusElTrans” LLC wieder die Bedienung dieser Linie, so dass sie wieder alle 10 Trolleybuslinien bedienen konnte. Der im Juni 2012 von der Stadt beschlossene 5-Jahres-Plan sah die Wiederaufnahme des elektrischen Betriebs auf den Linien 16 und 17 vor.
Den zahlreichen Ausmusterungen an Trolleybussen standen jedoch nur wenige Neubeschaffungen gegenüber. Nachdem 2008 zehn Niederflurtrolleybusse des Typs BKM 321 und 2010 14 Trolleybusse des Typs LiAZ-5280 neu beschafft wurden, folgen 2012 bis 2014 nur fünf Trolleybusse als ZiU 682-Nachbau des Typs MTrZ-6223 und einer des Typs ZiU-682 GOH Ivanovo. Ab dem 11.02.2016 wurden die Trolleybuslinien 8, 10, 12 und 14 vorläufig eingestellt, so dass nun noch die Linien 1, 2, 5, 6, 9 und 22 von Trolleybussen bedient werden. Während die Linie 1 alle 3-8 Minuten zwischen 5:00 und 22:30 Uhr befahren wird, kommen auf der Linie 5 nur bis 18:12 Uhr Trolleybusse zum Einsatz, die im 14-35 Minuten-Takt fahren. Rund 50 Trolleybusse stehen für die Bedienung der sechs Linien zur Verfügung.

Es keimten Hoffnungen für den Fortbestand des Betriebs auf, als im April 2016 der Prototyp des Trolleybus «Admiral» 6281 zu Vorführzwecken nach Rostow kam. Im Januar 2017 erteilte die russische Regierung Fördermittel für die Beschaffung von neuen Fahrzeugen, um den öffentlichen Verkehrs zur WM 2018 zu verbessern, damit sollten bis 2018 200 Busse, 30 Trolleybusse und 16 Straßenbahnen beschafft werden.

Nachdem aber am Freitag, 13. Januar der elektrische Betrieb in Rostov aufgrund Stromabschaltung nur beschränkt erfolgen konnte, weil der örtliche Stromversorger auf seine offenen Forderungen von rund 22 Millionen Rubel hinwies, geriet der Trolleybusbetrieb wieder in Ungnade. Die Stadtverwaltung kündigte in einer Pressekonferenz am 21. Februar 2017 an, dass mit der Bestellung der ersten 100 Dieselbussen in 2017 der Trolleybusbetrieb ersetzt werden soll. Gegen diese Ankündigung regte sich bei der Bevölkerung sowie bei Parteien des Stadtparlaments Widerstand. So hielt die "Liberal-Demokratischen Partei" eine Mahnwache zur Unterstützung des Erhalts der Trolleybusse an, ebenfalls wurde auf www.change.org eine Petition eingerichtet.

Fotos:
oben: Letzter Neuzugang ist ein im Trolleybusbetrieb Ivanovo hergestellter Lizenzbau des ZiU 682, der 2014 als Nr. 351 in Betrieb ging. Aufnahme: Aleksandr Klischin
unten: Als letzter von ursprünglich fünf aus Brno übernommenen Skoda 14Tr ist Wagen 311 noch in Betrieb, er verkehrte von 1983 bis 2004 als Wagen 3177 bei seinem Vorbesitzer. Aufnahme: Artjom Sergejewitsch


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