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Salzburg [AT] - Abschlussfeier zum 75jährigen Obus-Jubiläum

J. Lehmann - 07.10.15


Das Jubiläumsjahr des nun 75-jährigen Salzburger Obusbetriebes, welches am 09.03.2015 mit der Vorstellung des neu gestalteten Obus 321 mit mehreren anschließenden Events und Ausstellungen begann, fand seinen Abschluss mit einer Feier mit geladenen Gästen aus der Politik und mit einem Tag der offenen Tür in der Obusremise am 2. und 3. Oktober 2015.
Die Jubiläumsfeier für geladene Gäste, vornehmlich aus der Politik, begann am Freitag ab 17 Uhr in der eigens geschmückten Lackierhalle der Obusremise. Neben dem jüngsten Obus 342 war eine Bühne und ein Bildschirm aufgebaut, auf dem ein neuer Werbefilm "Moderner Obus" vorgeführt wurde. Anschließend hielten der Salzburg AG-Vorstand Dr. Leonhard Schitter, der Bürgermeister Dr. Heinz Schaden, Vizebürgermeister und Leiter des Verkehrsausschusses der Salzburg AG Harald Preuner sowie Landesrat Hans Mayr Festreden, die dem ihre Bekenntnis zum Obus beteuert wurden. So wurde die Muster-Obuslinie 2 erwähnt, die eine weitere Steigerung der Obus-Fahrgäste bringen soll, die inzwischen auf 41 Mio. Fahrgästen jährlich gesteigert werden konnte. Auch die aktuellen Projekte der neuen Obusremise auf dem Gelände der ehemaligen Autobahnmeisterei in Liefering und der Obusanbindung in Taxham über die Siezenheimer Straße, für die in den kommenden Woche die Beschlussvorlage im Rat erwartet wird, wurde angesprochen.
Per Filmeinspielung wurden die Wünsche der Fahrgäste zum Jubiläum eingespielt, hier stand in Anbetracht der heißen Sommertage der Wunsch nach mehr klimatisierten Obussen im Vordergrund. Des Weiteren wurde der Wunsch nach kürzeren Taktzeiten, mehr Busspuren und Barrierefreiheit aller Obusse ausgesprochen.
Anschließend führte eine Performance Group mit Tanz- und Artistikeinlagen eine Zeitreise durch die 75-jährige Geschichte des Obus durch, entsprechend der Musikeinspielungen aus den Jahrzehnten wurde die Zielanzeige des MetroStyle 342 eingestellt, beginnend mit "10 / 1940-1950" bis hin zu 75 / 2010-2015. Der Bildschirm zeigte dazu weiß-schwarz abstrahierte historische Fotos.

Am Samstag, 3. Oktober 2015, fand ab 10 Uhr in der Obus-Remise ein Tag der offenen Tür statt, der für alle Alterklassen ein Programm bot. Nach einem Frühschoppen mit der Obus-Musik sorgte die Gruppe "Die Tennengauer" für musikalische Unterhaltung. Auf dem Platz waren einige Fahrzeuge, zumeist Dienstfahrzeuge ausgestellt, in der Werkstatt konnte zwei Trolleybusse von oben und von unten besichtigt werden.
Viertelstündlich wurden Fahrten von der Remise bis zur Alpensiedlung von den insgesamt vier Museumsfahrzeugen durchgeführt. Neben dem ÜHIIIs 123, dem Steyr 109 und dem Gräf&Stift-Gelenkobus 178 war auch traditionell ein Gastfahrzeug zum Jubiläum gekommen. Es handelte sich um den ehemaligen Kaiserslauterner Obus 135, der sich seit 1994 in Privatbesitz in England befindet. Er entstand aus einem Umbau vom einem Standard_I-Dieselbus des Typs O305 in einem Obus im Jahr 1978. Er erbrachte seit 1970 rund 390 Tkm Fahrleistung, davon 51 Tkm als Obus.
Die als Abschluss der Veranstaltung angekündigte Obusparade war hingegen für die zahlreichen Fans eine Enttäuschung. Die vier Museumsfahrzeuge fuhren ab 15:50 Uhr im 5-Minuten-Abstand bis zum Stadtzentrum und über die Staatsbrücke wieder zurück zur Remise. Wagen 135 passierte jedoch nicht die Staatsbrücke, hier warteten vergeblich viele Fotografen auf diesen Wagen. Als fünfter Wagen folgte der MetroStyle 321, der aus der Halle A geholt wurde, in dem er zur besseren Geltung der LED-Beleuchtung ausgestellt wurde. Er blieb mit dem ÜHIIIs 123 im Rahmen der “ORF Lange Nacht der Museen” in der Innenstadt und wurde ab 18 Uhr auf dem Kapitelplatz ausgestellt. In den Wagen wurde Bodypainting vorgeführt und zwischen den Wagen fand ein Auftritt der Trommelgruppe SoriNaTu statt.

Vor dem Festakt erfolgte noch ein Aufräumen des Depots in Bezug auf ausgemusterte Altwagen. Am 3.9.215 verließen die drei verkauften Gelenkobusse 204, 212 und 226 das Depot zum Zwischenhändler nach Rumänien. Bereits ein Tag zuvor verließ der am 16.08.2014 letztmalig eingesetzte und am 11.11.2014 mit 1.112.627 km abgemeldete Gelenkobus 223 die Garage Richtung Schrottplatz. Es folgen die Wagen 206 (letzter Einsatz: 10.04.2013, am 17.07.2014 mit 1.194.138 km abgemeldet), 260 (letzter Einsatz: 25.03.2014, am 15.10.2014 mit 982.031 km abgemeldet) und 202 (letzter Einsatz: 07.08.2015, am 02.09.2015 mit 1.317.783 km abgemeldet) am 24.09.2015 und 01.10.2015 Richtung Schrottplatz. Der Trolleybus 259 ging hingegen am 29.09.2015 zum Flughafen für Feuerwehrübungen, er wurde am 31.10.2013 letztmalig eingesetzt und am 15.10.2014 mit 895.602 km abgemeldet. Die beiden VanHool-Niederflurtrolleybusse, die 2008 aus Montreux (2 und 15) übernommen wurden, schieden wegen irreparabler Elektronik aus dem Wagenpark aus. Lediglich der nach einem Unfall ausgemusterte Gelenkobus 251 ist noch in Zentralgarage als Ersatzteilspender vorhanden. Er wurde am 06.08.2015 mit 997.378 km abgemeldet, nachdem am 19.02.2015 das Gelenk überknickt wurde und dadurch starke Beschädigungen an der Verkabelung verursachte. Nachdem neben dem länger abgestellten Gelenkwagen 211 am 31.01.2014 auf der Wagen 228 abgemeldet wurde, besteht der Fahrzeugpark zurzeit aus 101 Trolleybussen zuzüglich drei historischen Fahrzeugen, die als Reservefahrzeuge dienen. Mittlerweile gehören 22 Gelenkobusse im MetroStyle-Design zum Wagenpark. Deren Anzahl wird sich um zwei weitere in diesem Jahr erhöhen, sie werden im Oktober erwartet. Eine Abnahme der bereits fertigen Fahrzeuge erfolgte am 06.10.2014 in Ostrava.
Mit 50 Einheiten sind fast die Hälfte des Wagenparks mit Dieselaggregat als Hilfsantrieb ausgestattet, die Stromabnehmer werden automatisch an- und abgelegt. Derzeit wird diese Einrichtung auf den Obuslinien 2 und 10 genutzt, da die Generalsanierung der Tunnelröhren Flughafen-Unterführung seit April 2014 eine halbseitige Sperrung der Unterführungen nach sich zieht. Die Röhre stadteinwärts wurde von 14. April bis September 2014 saniert, nun befindet sich die zweite Tunnelröhre stadtauswärts seit dem 13. April 2015 im Bau. Die jeweilig andere Röhre muss den Verkehr in beiden Richtungen aufnehmen, durch die Reduzierung auf eine Fahrspur ist mit Staus zu rechnen. Eine Fertigstellung und Wiedereröffnung der beiden Röhren wird Ende Oktober 2015 erwartet.

In der Innenstadt erfolgt eine Neugestaltung der Griesgasse. Der Autoverkehr ist mittlerweile umgelenkt, nun werden auch die Obuslinien durch diese Straße reduziert. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember werden die Linien 7 und 8 nicht mehr über Haltestelle Mönchbergsaufzug fahren, sondern direkt über den Franz-Josef-Kai zum Hanuschplatz. Die Griesgasse wird dann nur noch von den Obuslinien 1, 4 und 10 passiert. Die Fahrleitung am Hanuschplatz wurde der geänderten Situation bereits angepasst und die Fahrleitung auf dem Franz-Josef-Kai in Richtung Hanuschplatz bereits verlegt. Sie ist jedoch am Abzweig Museumsplatz noch nicht angeschlossen.

Im Vorfeld der Jubiläumsfeier fanden die "13. Internationalen Salzburger Verkehrstage" statt. Hier standen am Freitag Vorträge zum 75-jährigen Obusjubiläum auf dem Programm, so hielt Torsten Schwick, Leiter Strategie Verkehr der Salzburg AG einen Vortrag „75 Jahre Obus in Salzburg – ein Ausblick“, in dem er auf die Ziele 2020 einging. So soll durch weiteres Fahrgastwachstum durch Kundenzufriedenheit und Innovation eine höhere Wirtschaftlichkeit erreicht werden. Die Einführung der "Musterlinie 2" gehört zu den ersten Projekten, hier ist derzeit eine Pünktlichkeitsgrad von nur 76,2% zu verzeichnen, Ziel ist durch Busspuren ein Wert über 90% zu erlangen. Dazu soll der Haltestellenaufenthalt an ausgewählten Haltestellen verringert werden, und zwar durch die Aufstellung von Fahrkartenautomaten an diesen Haltestellen. Dieses soll nach Untersuchungen 30 sec. pro Haltestelle einsparen. Dennoch wird auch in persönlicher Kundenberatung investiert, am Mönchbergsaufzug soll ein neues Service-Center entstehen. Weiter sollen stark frequentierten Haltestellen ein elektronisches Anzeigesystem mit Angabe der Echtzeiten auf einem Monitor für mehr Komfort sorgen. Bislang sind rund 25 Haltestellen damit ausgestattet, die Zahl soll in den nächsten Jahren verdoppelt werden. Bei den Neufahrzeugen ab 2016 erhalten die Trolleybusse auch in Salzburg ein Energiepack als Notfahrt. Am Informationsstand der Firma Cegelec waren bereits die Kenndaten des Batterie-Notfahrt-Aggregats zu lesen, die ab Wagen 345 eingebaut wird, der im Februar 2016 erwartet wird: Kapazität 60Ah, Gesamtenergie: 35,1 kWh, Ausnutzbare Energie: 30 kWh, Höchstleistung 50 kW, Gewicht der gesamten Box: 410 kg, es sollen rund 2km Fahrtstrecke zurückgelegt werden können, die Batterie ist für 2.000 Ladezyklen ausgelegt. Torsten Schwick sprach auch über eine mögliche Verlängerung des Obusnetzes mit Hilfe von Batterieantrieb an. Hier wurde von der SLB eine Untersuchung zur Verlängerung der Linie 5 nach Grödig durchgeführt, gegenwärtig muss man in eine Omibus-Anschlusslinie umsteigen. Bei Berücksichtigung aller Faktoren eines Batterieantriebs wie die kurze Lebensdauer von Batterien im Vergleich zur Lebensdauer eines Obusses sowie der zusätzlichen Kapazität der Batterien zu Ungunsten des Fahrzeuggewichts und der Mitnahme von Fahrgästen ist die Errichtung von Oberleitung auf der rund 4 km messenden Verlängerung erheblich günstiger als ein Batteriebetrieb. Mehr zur Tagung ist unter http://www.regionale-schienen.at/3_13ISVT.asp zu finden!

Fotos:
oben: Obus 321 im speziellen Design zum 75-Jahr-Jubiläum mit LED-Beleuchtung neben dem ÜHIIIs 123 auf dem Kapitelplatz in der Salzburger Innenstadt im Rahmen der “ORF Lange Nacht der Museen”.
unten: Die Museumsobusse 109 und KL135 startbereit zur "Obusparade", im Hintergrund der ÜHIIIs 123. Aufnahmen: Jürgen Lehmann, 3.10.2015


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