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trolley:planung - Osnabrück: Ein neues Nahverkehrssystem gesucht

J. Lehmann - 14.11.11


Bei einem Symposium der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) am vergangenen Mittwoch (09.11.11) wurde der Obus im Rahmen der gegenwärtig angebotenen Systeme im elektrischen Nahverkehr als die innovative und gleichzeitig bewährteste Lösung hervorgehoben. Peter Hanz, Leiter Verkehrstechnik der Solinger Verkehrsbetriebe, zuständig für die Instandhaltung der Fahrzeuge und der Fahrstromanlagen, verglich in seinem Vortrag die derzeit angebotenen elektrischen, schienenlosen ÖPNV-Systeme. Dabei ging er auf das Hybridbus-Forschungsprojekt in NRW, die Brennstoffzellentechnik und die Versorgung mit Batterietechnik ein. Keine dieser Systeme könne einen Betrieb auf mehreren Stadtbuslinien im dichten Takt mit Gelenkwagen gewährleisten. Die Stadtwerke Solingen praktiziert dieses mit 50 Gelenkobussen auf sechs Linien jedoch bereits seit 60 Jahren nunmehr in der vierten Fahrzeuggeneration mit innovativer Elektrotechnik. Die Elektromotoren wirken direkt auf die Antriebsachsen, so dass kein Verlust der Energie im Fahrzeug erfolgt. Zudem seien auch steile Strecken kein Problem, wobei Batterie- und Hybridbusse in der Gelenkausführung bei bis zu 150 Fahrgästen Fassungsvermögen Probleme haben können. Während bei den vergleichbaren Elektrofahrzeugen das Kraftwerk zur Stromerzeugung im Bus mitgeführt wird, kann hier Strom direkt aus der Fahrleitung gezogen werden, eine Batterie kann zusätzlich als Hilfsantrieb für fahrleitungslose Abschnitte dienen. Der Strom aus der Oberleitung macht dann auch nur halb so viel ais wie der Dieselkraftstoff eines Busses in vergleichbarer Größe. Einige der Zuhörer, die sich an die Osnabrücker Obuszeit von 1949 bis 1968 erinnern, fragten nach der Häufigkeit der Stangenentgleisung, die offensichtlich damals in Osnabrück ein Problem darstellte. Peter Hanz legte dar, dass in Solingen durchschnittlich eine Stangenentgleisung täglich zu verzeichnen ist, wobei die geringe Zahl nicht durch langsames Fahren sondern durch gezielte Schulung der Mitarbeiter und Entwicklung der Technik (Material der Stangen, Lage des Stangenbocks auf dem Fahrzeug) herrührt.

Der Vortrag von Peter Hanz war der Auftakt am Nachmittag des Symposiums, gefolgt von Vorstellungen des Elektrobusprojekts in Offenbach (Linie 103) und des Phileas-Brennstoffzellenbusses. Am Vormittag wurden innovative ÖPNV-Projekte allgemein und für Osnabrück vorgestellt sowie die Möglichkeiten der ÖPNV-Finanzierung auf EU-Ebene vorgetragen.

Ebenfalls auf dem Symposium wurde der Elektrobus der Stadtwerke Osnabrück vorgestellt. Dieser kommt seit August 2011 auf einer kurzen, 1,3 Kilometer langen Rundlinie zwischen Osnabrück, Neumarkt, der Haltestelle Johannisfreiheit und der Haltestelle an Kliniken an der Marienkirche zum Einsatz. Es handelt sich um einen Kleinbus der Firma Breda Menarini, Typ M200 E Zeus, der eine Länge von 5,89 m und eine Breite von 2,07 m aufweist und elf Sitz- sowie 12 Stehplätze und einen Platz für einen Rollstuhl bietet. Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs liegt bei etwa 45 km/h, die Reichweite der etwa 500 kg schweren Batterie beträgt 120 km.

Im Busbetrieb zeigt der Verkehrsverbund bereits Innovativität, sieben Anhängerzüge mit eine Gesamtlänge von 23 Metern wurden am 28.10.2011 vorgestellt. Sie verkehren ab Ende Oktober auf der Hochschullinie 21 und bestimmten Schülerverkehrsverbindungen anderer Linien.

Fotos:
oben: Ein Elektrobus von Breda Menarini verkehrt auf der Linie Neumarkt zu den Marienklinik seit August 2011, hier am 13.11.2011 vor dem Osnabrücker Marienhospital. Für diese Kleinbuslinie niedriger Frequenz ist ein Batteriebus möglich, jedoch für einen Betrieb mit Gelenkwagen in dichter Wagenfolge ist der Obus das optimale ÖPNV-System. Aufnahme: Martin Schmelter
unten: Bis 1968 verkehrte in Osnabrück der Obus, bedingt durch die zahlreichen Bauarbeiten in der Stadt mussten immer wieder Provisorien gebaut werden, bis 1966 die Entscheidung fiel, dass der Obusbetrieb eingestellt wurde. Die drei Linien wurden dann jeweils bei größeren Straßenbauarbeiten auf Autobusbetrieb umgestellt. Aufnahme: Rolf Löttgers, Sammlung W. Stock, Mai 1964.


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